Bolivien
Die Stadt La Paz
Die Region 'La Paz' und 'El Alto' ist das größte bolivianische Zentrum. In La Paz befindet sich der Regierungssitz, hier herrscht ein großstädtisches Flair. Den höchsten Punkt bildet die Ebene des Altiplano mit 4100m, die Stadt selbst schneidet sich bis hinunter auf 3200m ein. Wir kommen am internationalen Flughafen in 'El Alto' aus Sucre an, ein Taxi bringt uns in das Tal von 'La Paz' und hält für einen ersten Blick an.
Wir wohnen im Hotel 'Rosario', im noch etwas höher gelegenen Geschäftsviertel der indigenen Bevölkerung. Schauen wir aus dem Fenster sehen wir im Hintergrund den Illimani (6439m) aufragen, leider genau von einem der Hochhäuser verdeckt.
Was sofort auffällt, das ist das geschäftige Treiben in den anliegenden Straßen ringsumher.
Microbusse fahren überall lärmend durch die Straßen, an den zentralen Punkten rufen spezielle Beifahrer die Fahrtroute aus einem geöffneten Fenster oder stehen neben dem parkenden Kleinbus und referieren laut die nächsten Ziele. Die Autos hier sind meist ältere Modelle aus asiatischer oder noch älterer amerikanischer Produktion. Die Autoabgase liegen beständig in der ohnehin dünnen Luft.
Die vielen bunten Stände und Geschäfte wirken auf uns drei nicht gerade Markt-Bummel-freudigen Männer interessant und überraschenderweise entwickeln wir eine gewisse Freude an einer derartigen Beschäftigung (das hat sich jetzt aber schon lange gelegt!). Wir suchen nach 100% Alpaka Schals und Pullovern, kleinen Freundschaftsbändern und entdecken preiswerte Hängematten und Musikinstrumente.
Nahe am Hotel befindet sich der 'Mercado de Hechería' (Hexenmarkt). Neben Mitteln zur Heilung aller wichtigen Gebrechen, Steinen zum Erreichen aller möglichen positiven Zustände wie Glück, Liebe, Gesundheit, Zufriedenheit (z.B. durch Reichtum), sehen wir die Lamaembryonen hängen. Ein alter Brauch besagt, dass diese, eingebaut in alle vier Ecken eines Hauses, dem Besitzer Glück garantieren...
Eine der bekanntesten Straßen im Indígena-Viertel ist die 'Calle Sagarnaga'. Die stets ansteigende, berühmte Einkaufsstraße ist voller Händler, die dort auf den Straßen etwa von frühmorgens um 8 Uhr bis abends gegen 22 Uhr sitzen. Einige Restaurants bieten Peña-Abende (Folkloreshow) an.
Wir haben hier laut Reiseführer ein typisches Peña-Lokal, die 'Peña Huari' gefunden. An zwei Abenden haben wir hier hineingeschaut - und haben es nie fertig gebracht, den Abend hier zu verbringen. Die 'Peña Huari' wirkt leider zu kommerziell, hier sind die Touristen unter sich und essen für Bolivien teure Gerichte. Wir haben zwei Straßen weiter einen Saal gefunden, im 'Ojo de Aqua' in der Illampu, in dem die Ausländer in der Minderheit und wirkliche Gäste waren. Eigentlich hatten wir erwartet, bei einer Veranstaltung mit einer Musikgruppe zu sein. Statt dessen saßen die Mitwirkenden mit uns im Saal, die Personen von einem Tisch nach dem anderen gingen hinter und erschienen dann auf der Bühne. Es wurde ein Programm von der Verbrennung von Coca-Blättern über relegiöse Referate, Verehrung der 'Mutter Erde' (Pachamama), Tänzen bis zur Darstellungen der Geschichte der indigenen Andenbevölkerung, die mit dem Einfall der (barbarisch aussehenden) Spanier endete. Ich habe wenig verstanden, dazu ist mein Spanisch einfach zu schlecht. Vielleicht hat man ja auch nicht immer spanisch gesprochen, es war eben kein Touristenabend.
Ein weiteres, interessantes Detail ist in den Städten die Verkabelung. Hier bilden Strom- und Telekommunikationskabel ein Wirrwar, wer weiß, wie man da den Überblick behält, wenn mal eine Leitung ausfällt. Die Stromkästen wurden nicht etwa an einem sehr ausgefallenen Ort fotografiert, nein, sie befanden sich im Eingangsbereich der zu einem Restaurant führte.
Telefonieren an jedem Ort scheint in diesem System kein Problem sein. Es gab Stellen, da konnte man gegen ein kleines Entgeld telefonieren. Der Telefonanschluss wurde direkt aus dem Kabelnetz gezapft, scheinbar ganz unbürokratisch.
Neben der Geschäftigkeit gibt es in La Paz auch Plätze zum Ausruhen. Wir befanden uns auch an einen Sonntag im Zentrum der Stadt und der konnten beobachten, dass am Prado (der zentralen Straße, die durch die Stadt führt) die Familien spazieren gehen, mal ein Blaskapelle spielt oder die Leute einfach auf den Bänken saßen und sich unterhielten.
Nicht weit entfernt, auf dem 'Plaza Murillo' kann man Tauben füttern und man sitzt auf den Stufen an der Seite des Platzes. Hier verkaufen die Händler etwas zu Essen oder man lässt sich in der Sonntagskleidung fotografieren.
Traditionsbewusste Frauen, Cholitas genannt, tragen die typischen Melonenhüte, einen Überrock mit mehreren Unterröcken und ein Schultertuch. Sitzt der Hut waagerecht auf dem Kopf, ist die Frau verheiratet, schräg, dann ist sie noch ledig - so sagt man zumindestens.
Aber dann kommt doch wieder der nächste Arbeitstag und -abend, eine gewisse Hektik des Alltags setzt ein und so steht und verweilt man als Tourist für ein paar Sekunden zum Atem holen...
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