Bolivien
Am Titicacasee
Von La Paz aus startet der Minibus die Fahrt in Richtung Titicacasee. Die Straße führt hinauf auf die Andenhochebene und eine lange Zeit quer durch El Alto, die 'Oberstadt' von La Paz.
Die Straßen werden dann immer besser, sie sind rund um den See in einem sehr guten Zustand. Nach knapp zwei Stunden sehen wir das erste Mal auf den Titicacasee.
Nach der Großstadt La Paz, der Geschäftigkeit, dem permanenten Geruch von Abgasen, dem Hupen der Autos ist die Ruhe, die die Landschaft ausstrahlt wohltuend. Es ist wie eine Fahrt in die Sommerferien. Die Luft ist klar, die Sonne scheint und das Wasser spiegelt blau den Himmel wider.
Wir haben bewusst die Route über Huatajata gewählt.
Hier wird ein Blick auf beide Teile des Titcacasees und auf die Cordillera Real versprochen - und wir wurden nicht enttäuscht.
In Tiquina ist die Straße durch die schmalste Stelle des Sees, den Estrecho de Tiquina (ca. 800m), unterbrochen. Das Übersetzen erfolgt hier für Personen und Fahrzeuge separat - aus Sicherheitsgründen. Während unser Minibus, genauso wie auch der große Bus einer bolivianischen Schulklasse, auf ein einfaches, breites Boot mit Holzbrettern und Außenbordmotor auffährt, kaufen wir für wenig Bolivianos unser Ticket.
Mit kleinen, aber schnelleren Booten werden wir als Passagiere zum anderen Ufer gebracht.
Während ich mir einen unbequemen
Platz zwischen den herumhängenden Schwimmwesten gesucht habe und mich interessiert umschaue ist es auf dem Boot sehr lebendig.
Die mitreisenden Jugendlichen machen ständig Fotos und laufen auf dem eigentlich vollen Boot hin und her, was aber unser Bootsführer mit stoischer Ruhe erträgt.
Es dauert nicht lange und wir erreichen das gegenüberliegende Ufer. Als wir aussteigen können wir sehen, dass unser Minibus noch einige Zeit länger benötigt. Also können wir uns Zeit lassen.
Wir kommen aber gar nicht vom Bootssteg weg, denn jetzt nutzt die Schulklasse die Gelegenheit, uns als Reisekulisse zu nutzen. Das dauert einige Minuten, weil alle Fotoapparate herumgereicht werden und die armen Jungs, die fotografieren müssen, nicht jede Technik auf Anhieb beherrschen.
Als der Vorgang abgeschlossen ist, bemerken wir noch rechtzeitig, dass wir unserer Rolle als Touristen noch gerecht werden müssen und lassen auch für uns noch ein Gruppenbild knipsen. Schließlich sind wir ja hier die Touristen!
Auf dieser Uferseite gibt es nur ein kleines Restaurant und ein paar Häuser. Nachdem unser Minibus eingetroffen ist, geht es auch gleich weiter. Die Straße schlängelt sich an den Berghängen entlang, führt dann weg vom See und nimmt den Weg durch eine hügelige Landschaft, die nur mit einzelnen Bäumen besetzt ist. Dann endlich treffen wir wieder auf den Titicacasee - und sehen unser Tagesziel Copacabana!
Der Ort liegt traumhaft und malerisch am Seeufer. Copacabana hat eine über 3000 Jahre alte Geschichte, war früher Zeremonial- und Kultzentrum und ist jetzt ein Wallfahrtsort. Hier lassen die Truckfahrer ihre Fahrzeuge segnen. Ich hatte es vorher nicht gewusst, dass dieser Ort der Namensgeber für den berühmten Stadtteil von Rio de Janeiro in Brasilien ist.
Es sind nur noch wenige Minuten Fahrt, dann befinden wir uns schon im Zentrum der kleinen Stadt. Wir beziehen unser Zimmer im Hotel Rosario del Lago. Von unserem Fenster aus schauen wir auf die kleinen Boote, die in Ufernähe im blauen Wasser liegen. Das Hotel wird zur Zeit weiter ausgebaut, noch ist hier genug Platz in Ufernähe.
Während ich die Zeit nutze und mich ein wenig erhole (irgendwie haben mir die Höhenkrankheit und wer weiß was nicht gut getan),
haben Juan und Diego die obligatorische Bootstour zur Isla del Sol gestartet. Das Boot fährt fast bis in den Norden der Insel und dann durchquert man die Insel in Richtung Süden.
Die Insel ist für die Eingeborenen, die Quechua und Aymara, heilig. Die Inkalegende besagt, dass hier der Schöpfergott Wiracocha geboren sein soll. Allerdings, die steinernen Zeugen werden auch für aktuelle kommerzielle Zwecke genutzt, wie man sieht. Aber vielleicht ist der Gott sehr volksnah und drückt gern ein Auge zu.
Wie sie später berichten, haben auch die Anwohner die Ahnungslosigkeit der Touristen gut erkannt und so kann es vorkommen, dass man immer mal einen Wegzoll von wenigen Bolivianos entrichten soll. Ihnen ist es drei Mal passiert. Man muss sehen, wie sich das entwickelt, wenn zu viele es nachmachen (und so ist es ja gewöhnlicherweise), dann wird es wohl auffallen...
So läuft man, bei sonnigem Wetter über die kahlen Felsen und muss aufpassen, dass man nicht den Abfahrtstermin der Boote am Südufer außer acht lässt. Die Strecke ist doch länger als sie auf der Karte aussieht, man hat immer wieder den herrlichen Blick über den ruhigen See. Juan nimmt sich sogar Zeit für eine kleine Baderunde im sehr kalten Wasser, schließlich kommt man nicht alle Tage hier vorbei.
Zum Schluss hat man einige Fotos mehr im Gepäck. Auf dem Boot trifft man die anderen Touristen. Man wird den meisten von ihnen die Tour noch Tage später ansehen: Es wimmelt von verbrannten Nasen und roter Haut. Die Sonne ist eben nicht zu unterschätzen...
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