Peru

Machupicchu

Keiner wird ernsthaft erwarten, zum Thema Machupicchu an dieser Stelle besseres, neueres oder interessanteres Wissen vermittelt zu bekommen. Die Geschichtsschreibung von Machupicchu ist einerseits noch in mancher Hinsicht spekulativ, andererseits gibt es für die Beschreibung der vielfältigen Hintergründe gute Reiseführer. Ich möchte auch keine neue Spekulation hinzufügen und unsere Kompaktkamerabilder kommen nicht gegen die Profibilder an... Machupicchu ist nur auf zwei Arten erreichbar, zu Fuß über den Inka-Trail oder mit der Eisenbahn. Wir haben uns für die Eisenbahn entschieden, deren Strecke sich im unteren Bereich durch die Täler des Flusses Urubamba schlängelt.
Bereits als wir in Cusco die Bahnkarten gekauft haben, konnten wir an der Verkaufsstelle von Peru Rail vorab die Werbefilme für die verschiedenen Klassen von Zügen sehen. Eine besonders gute Laune verbreitete natürlich der 'Hiram Bingham', hier gibt es inklusive exklusives Essen, Bewirtung, freundliches Personal und Livemusik für knapp 300 US$. Wir wollten natürlich nicht so viel von all dem, auch nicht einen Panoramawagen der 'Vistadome'-Klasse für etwa 70 US$, sondern den (filmisch etwas knapp gehaltenen, etwa 50 US$ wertigen) 'Backpacker'.
Wir wurden nicht enttäuscht. Die Sitze waren so eng gestellt, dass man schon kurz nach dem Einsteigen Kontakt zu den Mitfahrern hatte und man wurde nicht durch übermotiviertes Personal oder gar durch Musikgruppen gestört. Uns drei hatte man etwas verteilt, so dass ich neben einer Engländerin saß, die gerade an einem karitativen Projekt in Peru und Bolivien teilnahm; mir gegenüber saß ein freundliches junges japanisches Pärchen, welches wir in den Folgetagen noch zwei-, dreimal gesehen haben, weil sie offensichtlich genau das gemacht haben, was auch wir vorhatten... So zuckelte der Zug Richtung Machupicchu wohl mit Tempo 40-50 km/h, weil die Gleise wohl nicht mehr hergeben. An einer Stelle war auch nicht ausreichend Platz, um den Höhenunterschied zu bewältigen. Dort musste der Zug stoppen, rückwärts bergab fahren, stoppen und konnte dann weiter voran... Je mehr man sich Aguas Calientes nähert, umso mehr erhält man einen Eindruck, warum Machupicchu so lange verborgen geblieben ist. Die Täler werden immer enger, die Wände steiler und die Vegetation dichter. Schließlich endet die Reise im kleinen Ort Aguas Calientes, der im dichten Grün der Bäume zwischen den hochaufragenden Felswänden dicht eingeschlossen wirkt. Der Ort selbst wird noch durch einen Fluss geteilt, links liegen die (offensichtlich schnell gebauten) Hotels, rechts die einfachen Häuser der knapp 2000 Einwohner.
Wir sind am frühen Nachmittag am Bahnhof von Aguas Calientes angekommen. Es war nicht schwer, das Hotel Pachacutec zu finden, das wir für die eine Nacht reserviert hatten. So waren noch einige Stunden frei und wir entschieden uns, den Berg 'Putucusi' zu besteigen, von dem aus man laut Reiseführer einen ersten Blick auf Machupicchu werfen konnte. Nur wenige Meter nach dem Ortsende fanden wir auch den Weg, der zum Gipfel führen sollte. Bereits nach kurzer Zeit begann der für diese steil aufragenden Felsen einzig mögliche Aufstieg. Bis zu 50 Meter hohe breite Holzleitern flößen erst einmal von unten gesehen Respekt ein. Sie führen fast senkrecht in die Höhe und man möchte nicht gerne auf der Strecke schlapp machen. Als Mahnung sehen wir auch vereinzelte Bergbesteiger, die keuchend auf den Stufen stehen.
Je höher wir steigen, umso mehr entfernt sich der bunte Flecken Aguas Calientes und wir blicken über das Grün an den Berghängen, während sich über uns am Himmel die Wolken stetig weiter zusammenschieben. Den Leitern folgt ein weiterhin steil ansteigender Wegabschnitt. Wir laufen und laufen und langsam fragen wir uns, wann und wo wir das Gelände von Machupicchu hier jemals sehen werden. Erst am Gipfel werden wir mit einem Blick auf die Ausgrabungsstätte belohnt. Wir schauen praktisch auf der anderen Bergseite über das Tal hinweg. Dort schlängelt sich die Straße für den Bustransit hinauf zu dem historischen Ort.
Der Rückweg ist viel einfacher und schneller zu bewältigen. Einzig die Witterung wird bedenklich, wir sind noch weit oben und erste Regentropfen fallen. Es scheint uns nicht sehr verlockend, an nassen und glitschigen Holzleitern herunterklettern zu müssen, deshalb hetzen wir hinab. Auf den letzten Wegmetern setzt dann der heftig prasselnde Regen ein. Wir haben keinerlei Regenschutz dabei, zum Glück sind ein paar Plastikplanen neben der Eisenbahnlinie aufgespannt. Als wir darunterhuschen treffen wir auf drei Arbeiter des zugehörigen Sägewerkes, die Verständnis für unsere Lage zeigen und selbst auch nichts mehr arbeiten können. Also warten wir den schlimmsten Teil ab und verschwinden dann zum Trocknen im Hotel. Natürlich stellen wir erst am nächsten Morgen fest, dass im Hotel eigentlich nichts trocknet, zumindestens nicht in unserem Zimmer: der Belüftungsschacht ist zugemauert...
Am nächsten Morgen hieß es dann früh aufstehen. Gegen 7:00 Uhr fuhren wir mit dem Mercedes-Bus von Aguas Calientes über den Fluss die Serpentinen hinauf nach Machupicchu. So früh am Morgen kann man noch über ein fast menschenleeres Gelände schauen, der Himmel ist blau und die Sonne scheint. Das alles sollte sich noch im Verlaufe des Tages ändern.
Mit dem Reiseführer und einem Plan in der Hand verschaffen wir uns die Übersicht über das vor uns liegende Gebiet. Die Häuser und die Gänge aus den übereinandergeschichteten Steinen sind wirklich in einem sehr guten Zustand und in einer Vielzahl erhalten. Nach einiger Zeit haben wir den Eindruck, das ganze noch einmal von oben sehen zu müssen, wozu der Waynapicchu gerdaezu einlädt. Außerdem wissen wir, dass nur eine begrenzte Zahl Besucher jeden Tag auf diesen Berg gelassen wird. Wir tragen uns also in die Liste am Eingang ein, die wohl einen Überblick schafft, wie viele Besucher hier emporsteigen und wie viele auch wieder zurück gekommen sind. Zum Glück liegt der Aufstieg auf der Schattenseite des Berges, denn es ist schon sehr warm und wie immer hier geht es steil bergauf. Je höher man kommt, umso enger wird der Weg. Der Gipfel liegt dann wieder in der prallen Sonne und wir können nur froh sein, ausreichend Wasser mitgenommen zu haben. Auf dem Waynapicchu befinden sich so eine Art Befestigungsanlagen, hier sind die Treppen eng, steil und gefährlich, weil sich hier auch keine Geländer befinden.
Ganz oben werden wir belohnt mit einem tollen Blick über Machupicchu und die Berge ringsumher, die Machupicchu praktisch einschließen. Gefühlt geht es hinter dem Waynapicchu eintausend Meter in die Tiefe, real ist es etwa die Hälfte. Es hat sich gelohnt, hier hinauf zu steigen.
Am Nachmittag ziehen dann, fast schon wie gewohnt, Wolken auf. Zurück in Aguas Calientes regnet es zum Abschied und die Zeit bis zur Abfahrt vertreiben wir auf dem Balkon eines wackligen Restaurants, das zwischen zwei Hotels aus Holzbalken konstruiert wurde, aber einigermaßen bequeme Stühle und ein gewisses Ambiente hat.